Anzeige
Anzeige
DKOU 2013

Endoprothesen im hohen Alter: gut oder schlecht?

24.10.2013
Henning Windhagen (Bild: Biemann Medizin)

Immer weniger Menschen akzeptieren Einschränkungen im Alter - auch wenn sie bereits Implantate tragen. Bevor jedoch eine Endoprothese eingesetzt wird, sollten aber vermehrt alle Risiken und Vorteile der OP abgewogen werden, so eine Forderung auf dem DKOU.

Prof. Henning Windhagen, 3. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), stellte klar: "Menschen über 80 Jahren keine Prothesen mehr einzusetzen, wie dies etwa einst der Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder gefordert hatte, ist höchst unfair."  Denn es gebe Prothesen, die in ihrer Ausführung länger und stabiler und somit gerade für diese Altersklasse gut geeignet seien. Doch nicht nur die Prothesenauswahl, sondern auch der Spezialist, der sie richtig einsetzen könne, seien sehr wichtig. Denn die Operation bei einem über 80-Jährigen, sei mit besonderen Herausforderungen verbunden und erfordere somit auch spezielle Kenntnisse.

"Nur wenige Menschen akzeptieren Einschränkungen mit zunehmendem Alter. Der künstliche Ersatz von Hüft- und Kniegelenk erlaubt eine Wiederherstellung von Bewegung und Gehfähigkeit über einen Zeitraum von 15 und mehr Jahren und auch Sportler können in moderatem Maße ihr altes Betätigungsfeld wieder aufnehmen. Trotzdem darf ein künstliches Implantat nicht mit dem Leistungsspektrum eines „jungen“ Gelenkes verglichen werden", betonte der Ärztliche Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im Annastift.

Trotz der Erfolge der letzten Jahrzehnte müsse sich jeder Patient vor einer Endoprothesenimplantation mit den Risiken vertraut machen. Diese hingen auch von der individuellen Gesundheit und dem Deformationszustand des Gelenkes ab. Nicht jede Ursache für eine Gelenkzerstörung dürfe gleich bewertet werden, forderte Windhagen. Es gehe um eine "Objektivierung des OP-Risikos".  "Mit jedem Restrisiko empfiehlt es sich, nach Alternativen zu fragen. Dies sind eine gute Schmerztherapie, eine manualtherapeutische und physiotherapeutische Behandlung sowie Fitness und der dazu beitragende, geignete Sport", erklärte der Experte.

Operative gelenkerhaltende Verfahren könnten bei beginnenden Gelenkerkrankungen helfen. Hier sei jedoch eine realistische Einschätzung des Heilungspotenzials notwendig, um überflüssige Operationen zu vermeiden.

Spezialist und Patient stehen heute bei der Beratung über die Versorgung mit einem künstlichen Gelenk vor einer nicht einfachen Entscheidung. Die Aufgabe des Spezialisten liegt darin, seinem Patienten die Möglichkeiten und Grenzen sowie Risiken des Gelenkersatzes zu verdeutlichen. Die Aufgabe des Patienten ist es, eigene Wunschvorstellungen und Lebenssituationen realistisch miteinander zu verknüpfen. Erst wenn die subjektiv empfundene Einbuße an Lebensqualität vom Spezialisten auf das Gelenk bezogen werden kann, sollte über den Ersatz nachgedacht werden. Wichtig ist, sich über alle möglichen Konsequenzen beim Gelenkersatz absolut klar zu sein. "Der künstliche Gelenkersatz ist eine fantastische Option, um bis ins
hohe Alter aktiv und mobil zu bleiben und damit eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen", versicherte Windhagen.

Aktuell werden in Deutschland pro Jahr circa 150.000 Hüftprothesen, 140.000 Knieprothesen (ESQS -2010) und 45.000 Wechseloperationen durchgeführt. Diese Zahlen sind über die letzten fünf Jahre relativ konstant mit circa drei Prozent Abnahme bei Hüftprothesen und drei Prozent Zunahme bei Knieprothesen (WIdO-Daten). Gleichzeitig liegt die Versorgungsrate in Deutschland im internationalem Vergleich höher. "Insgesamt nimmt somit die OP-Zahl nicht zu, obwohl dies in der Presse mehrfach berichtet wurde", betonte Windhagen.
(hr/DKOU)

 

Henning Windhagen (Bild: Biemann Medizin)